Intime Bilder und Erpressung: Sextortion nach Online-Flirts verhindern

Nicht jeder Love Scam endet mit einer klassischen Geldforderung. Manche Täter drängen auf intime Fotos oder Videochats und nutzen die Aufnahmen danach zur Erpressung. Diese Masche wird Sextortion genannt.

Sextortion kann Menschen jeden Alters treffen. Besonders belastend ist, dass Betroffene sich oft schämen und deshalb schweigen. Genau darauf setzen die Täter. Sie drohen mit Veröffentlichung, Kontaktaufnahme zur Familie oder Weiterleitung an Freundinnen, Freunde und Bekannte.

Wie Sextortion entstehen kann

Eine unbekannte Person beginnt freundlich oder flirtend. Der Kontakt wechselt schnell auf Messenger oder Videochat. Nach kurzer Zeit wird es persönlicher. Manchmal sendet die andere Person zuerst freizügige Bilder oder spielt ein Video ein, um Vertrauen zu erzeugen. Dann wird man gedrängt, ebenfalls intime Bilder zu senden oder sich vor der Kamera zu zeigen.

Saferinternet.at beschreibt, dass solche Aufnahmen später als Erpressungsgrundlage genutzt werden können. Die Täter fordern Geld und drohen, Bilder oder Videos zu veröffentlichen. Häufig kommen nach einer Zahlung weitere Forderungen.

Die wichtigste Vorbeugung

Senden Sie keine intimen Fotos oder Videos an Personen, die Sie nicht persönlich und verlässlich kennen. Auch dann nicht, wenn die andere Person zuerst etwas sendet. Auch dann nicht, wenn sie Druck macht. Auch dann nicht, wenn sie Liebe verspricht.

Wer wirklich respektvoll ist, akzeptiert ein Nein. Wer beleidigt reagiert, Schuldgefühle macht oder droht, zeigt bereits ein Warnsignal.

Webcam und Videochat bewusst nutzen

Bei neuen Online-Bekanntschaften sollte man Videochats vorsichtig angehen. Decken Sie die Kamera ab, bis Sie sicher sind, dass Sie sie verwenden möchten. Achten Sie darauf, was im Hintergrund sichtbar ist: Fotos, Dokumente, Wohnadresse oder private Gegenstände.

Wenn ein Gespräch schnell sexuell wird oder die Person auf intime Handlungen drängt, beenden Sie den Kontakt. Niemand hat Anspruch auf Bilder, Videos oder Körperlichkeit.

Wenn bereits Erpressung passiert

Ruhig bleiben. Nicht zahlen. Zahlungen stoppen die Erpressung meist nicht sicher. Saferinternet.at empfiehlt, Beweise zu sichern, den Kontakt abzubrechen, die Person zu blockieren, das Profil zu melden und Anzeige zu erstatten. Wenn Bilder online auftauchen, sollten Plattformbetreiber zur Löschung aufgefordert werden.

Sichern Sie Screenshots, Benutzernamen, Telefonnummern, E-Mail-Adressen, Zahlungsforderungen und Chatverläufe. Löschen Sie nichts, bevor Beweise gespeichert sind.

Scham ist der falsche Ratgeber

Betroffene sind nicht schuld an einer Erpressung. Verantwortlich ist die Person, die droht und ausnutzt. Sprechen Sie mit einer vertrauten Person oder Beratungsstelle. Gerade in belastenden Situationen hilft es, nicht allein zu bleiben.

Praxis-Checkliste

  • Keine intimen Bilder oder Videos an neue Online-Kontakte senden.
  • Videochats abbrechen, wenn Druck entsteht.
  • Bei Erpressung nicht zahlen.
  • Beweise sichern: Screenshots, Chatverläufe, Profilnamen, Zahlungsdaten.
  • Kontakt blockieren, Profil melden und Anzeige erstatten.
  • Bei emotionaler Belastung Unterstützung holen.

Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung oder psychologische Hilfe. Bei Erpressung, Drohung oder Veröffentlichung intimer Inhalte bitte rasch Polizei, Plattformbetreiber oder eine Beratungsstelle kontaktieren.